Sprachenlernen – natürlich oder mit System?

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Sprachenlernen im herkömmlichen Sinn ist nicht für jeden Lerntyp nachhaltig erfolgreich, da es die Arbeitsweise unseres Hirns nicht umfassend berücksichtigt. Es sollte Spass machen und Lust auf mehr – verstehen, kommunizieren und austauschen.

Wir alle haben unsere Muttersprache erfolgreich gelernt, ohne ausdrückliche Instruktionen. Das Fremdsprachenlernen kennen wir aber meist nur vom Klassenzimmer mit Grammatikregeln, Drills und Wörterbüffeln. So wird vor allem die fehlerlose Wiedergabe / Produktion der Sprache – sei es schrifltich oder mündlich  - in den Fokus gestellt und da viele hierzulande nun mal zur Perfektion neigen, das eigene Sprachtalent entsprechend der hohen Erwartungen tief eingestuft und Aeusserungen in der Fremdsprache nur noch gemacht, wenn sie sicher korrekt sind.

Dies verlangsamt den Erwerb der Fremdsprache und kann in extremis dazu führen, dass man diese trotz profunder Kenntnisse nicht zur Kommunikation verwenden kann.

Einer der innovativsten Vordenker im Fremdsprachenunterricht, Stephen D Krashen, hat das Aneignen einer Fremdsprache in zwei Schritte eingeteilt, das bewusste „Lernen“, das aus Regeln, Grammatik und Wörterlisten besteht und die „Acquisition“, die unbewusste Aneignung, ähnlich dem Erwerb der Muttersprache. Letzterer wird von ihm als wichtiger und wesentlich erfolgreicher eingestuft, da der Gebrauch der Sprache im Kontext – letztlich das Ziel jedes Lernenden – in den Mittelpunkt gestellt wird.

Es zeigt sich immer wieder, dass es Studierenden trotz modernem, kommunikativem Unterrichtsstil nicht gelingt, die Hemmungen bei der Anwendung der Fremdsprache im Klassenzimmer abzubauen, da sie die Schulsituation stets mit Perfektion assoziieren. Erst wenn im Ausland der Zwang zum Gebrauch der Sprache als vollkommen natürlich erlebt wird, kann dieses überkontrollierte Verhalten abgebaut werden. Einkaufen, Reisen, das Gespräch mit dem Nachbarn oder mit einem Einheimischen im Pub, meist werden diese Situationen als wesentlich stressfreier empfunden und unterstützen den Lernprozess unbewusst. Bei einem Sprachaufenthalt wird sogar die Klassenzimmersituation als „echt“ erlebt, da Studierende verschiedener Muttersprachen gemeinsam lernen und der Austausch „natürlich“ in der Zielsprache erfolgen muss.

Unser Gehirn lernt besonders gut, wenn wir es kontinuierlich mit sinnvollen, interessanten Lerninhalten füttern die uns betreffen oder berühren. Werden diese in „echten“ Situationen immer wieder angetroffen und verstanden, so ist diese Art „Belohnung“ hoch motivierend.

Unser Gehirn kann Sprachen lernen – vertrauen Sie darauf – es braucht aber ein stimulierendes Umfeld.

Lore Schmid
Inhaberin LinguaService und Prüfungsexpertin.

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